Digitalisierung braucht gute Zusammenarbeit

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Auf Kampnagel, wo sonst Tanz- und Theatervorstellungen zu Hause sind, fand vom 12. bis 14. September die Solutions.Hamburg statt. Es ist nach eigenen Aussagen Deutschlands größter Digitalisierungskongress. Rund 5.000 internationale Besucher konnten Vorträgen zahlreicher Future-Talker zuhören und diese diskutieren – in entspannter Festival-Atmosphäre.

Sascha Lobo warnt vor Verblödung
Einer der Speaker: Blogger und Journalist Sascha Lobo, der vor allem warnende Worte fand. Er richtete sich an die Privatmenschen und unseren Umgang mit persönlichen Daten, der seit Einführung des iPhones vor zehn Jahren extrem lax geworden ist: Gestern haben wir nur unser Essen zu fotografiert und gepostet, mittlerweile bekommen wir dafür Gesundheitstipps, weil Google aus den Bildern den Kaloriengehalt errechnet. Und morgen will das Unternehmen Nectome Gehirne in die Cloud laden. Heißt: Wir geben immer mehr Daten preis und verlieren analoge Bodenhaftung. Und glauben dem, was wir auf Twitter sehen, mehr als unseren eigenen Augen.

Wirtschaft verlagert sich auf Plattformen
Obwohl der Rohstoff, also die Daten, zuhauf vorhanden sind, müsse man für Europas wirtschaftliche Zukunft fürchten, sagt der Blogger. Das Wirtschaftsgeschehen weltweit verlagert sich immer mehr auf Internetplattformen, für die Amazon nur das anschaulichste Beispiel ist. Unternehmen verdienen ihr Geld immer stärker via Web, ob Einzelhändler oder Dienstleister. Das gigantische Wachstum der Plattform-Ökonomie darf nicht unterschätzt werden, konzentriert sich aber mächtig auf wenige Unternehmen: Die Wirtschaftsleistung aller weltweiten Plattformen geht zu 77 Prozent auf Facebook und Google zurück, das weltweite Plattform-Wachstum wird beinahe komplett von Facebook und alphabet bestritten (99 Prozent). Die Musik spielt in Amerika und in Asien. Die Zukunft liegt indes eindeutig in China. Ich staune: Während über Paypal im vergangenen Jahr 7,6 Milliarden Transaktionen durchgeführt wurden, verzeichnete das chinesische WeChat 46 Milliarden Bezahltransaktionen – an einem einzigen Tag. Die europäische Plattform-Ökonomie fiele ohne SAP sogar hinter die afrikanische zurück. Europa scheint Entwicklungsland zu sein, was Plattform-Ökonomie betrifft.

Agilität und Eigenverantwortung
Nach diesen Kassandrarufen folgten diverse Best-Practice-Vorträge. Jaroslav Bláha der Firma Xenadi zum Beispiel transformierte die IT eines weltweit aktiven Versicherungskonzerns, sein erster Schritt war, das detaillierte und verästelte Organigramm zu überarbeiten. Sein Ziel: das Mittlere Management musste weichen, da es Entscheidungswege zu behäbig mache. Die Kollegen reichen nur Befehle durch und trügen selbst nichts zur Wertschöpfung bei. So führte persönliche Gespräche mit sämtlichen mittleren Managern. Sein Credo: Change-Prozesse müssen klar und persönlich kommuniziert werden. Das Unternehmen beschäftigt ab sofort nur Ingenieure, die bereit sind mit Open-Source-Programmen zu arbeiten, themenspezifisch und länderübergreifend: Die themenspezifischen Arbeitsgruppen haben lediglich einen Moderator, ansonsten fehlt die Hierarchie. Agilität und Eigenverantwortung der Mitarbeiter – zwei Schlagworte, die in vielen Unternehmen gerade die Zusammenarbeit neu ordnen, um in digitalen Zeiten zukunftsfähig zu bleiben.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Wenn Unternehmen sich digitalisieren, spielt der Faktor Mensch immer noch die wichtigste Rolle. Die Digitalisierung verändert nicht nur die Geschäftsmodelle, sondern auch die Arbeitsweisen und die Kundenerwartung. Und sie führt nur dann zu guten Ergebnissen, wenn die Zusammenarbeit stimmt – Teamsport eben.

 

Fotocredit: Torben Conrad Photography

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