Tell a Tale of Tel Aviv

Tell a Tale of Tel Aviv 1070 562 Miriam Rönnau

Eine kleine Geschichte der Gegensätze, der Vielfalt
In der Sonne glitzernde Wolkenkratzer, schöne, kreative und vor allem junge Menschen in zahllosen Straßencafés, mediterranes Flair – neben Wohnsilos, rissigen Fassaden, abblätterndem Putz und, ja ,Müll. Die Stadt hinterlässt ihren Eindruck. Einen positiven auf mich. Tell al tale of Tel Aviv. Bunt ist es hier. In vielerlei Hinsicht. Entsprechend vielfältig sind meine Impressionen nach wenigen Tagen und vielen Gesprächen – mit den Vertretern der Start-up-City in der Start-up-Nation.

Freundlichkeit, Offenheit und Interesse schlägt mir und den Kolleginnen/Kollegen allerorten entgegen – ob in den Interviews, im zu jeder Tages- und Nachtzeit besetzten Straßencafé, im Hotel oder im Taxi. Die jungen israelischen Gründer eint die Idee, „out oft the box zu denken“, auf dem Weg sinnstiftende Innovationen hervorzubringen, auch scheitern zu dürfen, am Ende aber definitiv auch, Geld zu machen. Exit heißt ein vielgenanntes Schlagwort. Natürlich teilen nicht alle die Vision des schnellen Verkaufens der Innovation – aber es passt. Man entwickelt und lebt schließlich im Heute. Die nächste Idee schwirrt bereits im Hinterstübchen, respektive Co-Working-Space – wahlweise Straßencafé. Es ist die Mischung: „I spend a lot of time in Frankfurt, but seems to me like a city, that is all about business, not about beautiful people“, höre ich jemanden in der Küche von „Mindspace“ sagen. Ein unfreiwillig mitgeschnittener Satz einer Israelin, ausgesprochen in einem Telefonat auf Englisch, der zunächst platt klingt, über den ich dennoch nachdenken muss. In Tel Aviv jedenfalls treffen beide Welten aufeinander. Beautiful business.

Doch sind Tel Avivs junge Gründer Teil einer isolierten Elite oder sind sie die Avantgarde? Ist ihr Denken, Handeln und Leben Ausdruck der Attitüde einer ganzen Gesellschaft? Nachgefragt habe ich natürlich. Die Antworten bekommt ihr – später. Bleibt einfach am Ball. Zum Thema Start-up-Kaderschmiede Militär jedenfalls ist die Meinung einhellig: Ja, das ist zentraler Teil des Systems. Interessanter Fakt dabei: Das Infragestellen von Anweisungen, das Denken in Lösungen und flache Hierarchien sind – auf unseren ersten Blick – die erstaunlichen Konsequenzen daraus. Netzwerk aber heißt der wesentliche Effekt. Geht es nur so? Ist eine Eliteeinheit der Nukleus das Ganzen? Nein. Das engmaschige Netz geht tiefer. Die Community ist am Ende überschaubar. Jeder kennt (fast) jeden. Auch das haben wir gehört. Und weiter gefragt: Zum Beispiel, welche Rolle die starken Frauen des Landes spielen. Sie durchlaufen schließlich dieselbe „Schule“. Und was machen eigentlich Gründer mit arabischem Background? Wo und wie finden die Zugang – und Finanzierung?

All das verraten wir noch, keine Sorge. Ein bleibender Eindruck vorab: Vielfalt regiert – auch hier. Wie gesagt, mein Tipp lautet: Am Zukunftsversteher-Ball bleiben…

Shalom Shabbat.

Text: Thomas Eilrich
Fotocredit: JDB

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